Nathan Quartett Hamburg
 

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"nathan quartett" begeistert bei Musiktagen in der Hagener Burg

...Leicht und locker strichen die Bögen über die Saiten. Wiederkehrende Melodienfolgen schwebten durch den Raum. Die zart romantischen bis dramatisch anmutenden Klänge aus den Streichinstrumenten gefielen. Das Publikum lauschte gebannt. Mit Spielfreude und Ausdruckskraft zelebrierte das Hamburger Ensemble „nathan quartett“ ein beeindruckendes Konzert in der Hagener Burg. Zu den diesjährigen Musiktagen hatten Ursula Koop und Jutta Siegmeyer vom Kultur- und Heimatverein „Burg zu Hagen“ mit finanzieller Unterstützung der Volksbank Bremerhaven-Cuxland das „nathan quartett“ aus Hamburg in die Burg geholt. Die vier Musiker fanden sich 1996 zusammen. Dana Anka, Maja Hunziker (beide Violine), Roswitha Killian (Viola) und Boris Matchin (Violoncello) leben ihre Leidenschaft für klassische Musik mit besonders energiegeladenen Interpretationen der Stücke aus. Mit dem Streichquartett in B-Dur von Johannes Brahms begannen sie den Abend. „Diesem Streichquartett wird nachgesagt, besonders heiter zu sein“, sagte Roswitha Killian zur Einführung. Tatsächlich enthalte es aber viele Stimmungen. Ob diese nur heiter seien, sollten die Gäste für sich herausfinden. Im Satz „Vivace“ präsentierten die Künstler die gefällige Melodie, spielten mit Ausdruck mal lebhaft schnell, mal romantisch verspielt. Beim „Andante“ begannen sie ganz zart und weich gestrichen. Langsam nahm die Tonfolge eine Wendung zum dramatisch Lebhaften, um dann wieder mit fast tänzerischen Passa- gen zu verklingen. Das gefiel. Kurz darauf konnte sich das Publikum an gezupften, fast hüpfenden Tönen aus dem Violoncello von Boris Matchin erfreuen. Im „Agitato“ zeigten alle vier Künstler in kleinen Solopassagen ihr großes, kammermusikalisches Können. Die Anwesenden lauschten konzentriert. Beim „Poco allegretto con variazioni“ interpretierte das „nathan quartett“ lebhaft freundlich. Sicher und klar dar- geboten offerierten sie die Passagen von träumerisch bis zum dramatischen Schluss. Dafür gab es viel Beifall. „Der zweite Satz gefiel mir am besten“, sagte jemand zur Pause. Die Umstehenden nickten zustimmend. „Als weiteres Stück haben wir Ihnen das Streichquartett in f-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy mitgebracht“, erklärte Roswitha Killian. Dieses Stück des jungen und fröhlichen Komponisten sei im unmittelbaren Eindruck des Todes seiner Schwester Fanny Hensel-Mendelssohn entstanden, zu der er ein besonders enges Verhältnis gehabt habe. So habe Felix Mendelssohn-Bartholdy diesem Stück viel Ausdruckskraft gegeben. Und schon klangen die Töne des „Allegro vivace assai“ von lieblich verspielt bis dramatisch lebhaft he- rüber. Die Künstler brachten mit ihrem Vortrag viel Spielfreude, Innigkeit und Ausgelassenheit herüber, die sich in den drei weiteren Sätzen genauso gekonnt fortsetzten. So konnte das Publikum eine Bandbreite klanglicher Emotionen auf technisch hohem Niveau genießen. Für die tolle Leistung und das intensive Zusammenspiel des „nathan quartetts“ gab es einen Riesenbeifall, Bravorufe und lautstarkes Fußgetrappel. Zur Belohnung für die Beifallsstürme spielten die Musiker noch ein Allegretto aus einem Streichquartett von Ludwig van Beethoven als Zugabe, bevor die Gäste angetan von diesem beeindruckenden Konzertabend die Hagener Burg verließen ...

© „Osterholzer Kreisblatt“ / Meike Döscher; 8.3.2011

Die Klangansichten des Himmels – Ruta Paidere lässt sich fürs Streichquartett von Anselm Kiefer inspirieren

… In den erlauchten Kreis „farbenhörender“ Komponisten begibt sich nun auch die in Hamburg lebende Lettin Ruta Paidere mit ihren Streichquartett-Skizzen „Himmel unterschiedlich“, die das hiesige Nathan Quartett an die Spitze seines vierten Abends im kleinen Saal der Laeiszhalle setzte: fünf farb- und lautempfindliche Klangansichten des Himmels, die Paidere von Bildern des Malers Anselm Kiefer empfing….“Himmel über einer brennenden Stadt“ heisst Paideres erstes Satzbild“, pastos aufgetragen mit breithaarigem Bogenstrich, während sich „Himmel mit Wolke“ in fahle Töne „am Steg“ und lichte Flageoletts verflüchtigt. Die Bild-Idee „fällt vom Himmel“ verfängt sich in Sterntaler-Pizzicati und Sternschnuppen-Glissandi.
Anschliessend sorgte Leos Janacek in seinem 1. Streichquartett nach Tolstojs Erzählung „Die Kreutzersonate“ – von den drei Damen und ihrem Cello-Kavalier atemberaubend nacherzählt – für klare Intervallverhältnisse und quirliges Motivleben…

© „Die Welt“ / Lutz Lesle; 4.4.2009

Programm:
Ruta Paidere – „Himmel unterschiedlich“ (Auftragswerk des Nathan Quartett)
Leos Janacek – Streichquartett Nr.1 „Die Kreutzersonate“
Bela Bartok – Streichquartett Nr.1 (1907)

„Eine wunderbare Ehe zu viert“

"Ein Streich-Quartett ist wie eine Ehe zu viert", sagt Roswitha Killian und lächelt vielsagend. Gut eingespielt muss diese Ehe sein, sonst setzt es Disharmonien. Roswitha Killian spielt die Viola im nathan quartett, das beim Konzert des Kulturvereins "Malimu" im Stadtmuseum Norderstedt umjubelt wurde. Ihre Mitspieler deuten an, dass die Viola auch mal "die erste Geige" spielt.

Doch im Verlauf des Konzerts zeigt sich, dass im nathan quartett alle mal die erste Geige spielen, sprich: Das Sagen haben. Zum Wohl des Quartetts und der Musik. Die 130 Zuhörerinnen und Zuhörer im ausverkauften Konzert waren restlos begeistert.

Nach Mozarts Quartett in B-Dur, KV 458, und Beethovens Quartett f-Moll, Opus 95, spielt das Ensemble das Quartett e-Moll von Bédrich Smetana. Unter der Überschrift "Aus meinem Leben" packte der Tscheche Höhen und Tiefen, Liebe, Niederlagen und einen Hörsturz in seine Komposition. Das nathan quartett erforscht diese Lebensspuren bis in alle Tiefen und der aufwühlenden Komposition. Dana Anka, erste Violine, Maja Hunziker, zweite Violine, Roswitha Killian mit der Viola und Cellist Boris Matchin lassen in keiner Sekunde nach. Wer meint, die Interpretation des ersten Satzes sei schon bravourös, wird während der folgenden drei Sätze eines Besseren belehrt. Im zweiten Satz vertiefen sich die Vier voll Vergnügen in Volksmusik, in Polka, Reigen und Walzer - ein genießerisches Salonstückchen. Liebeswohl und -weh bestimmen den dritten Satz, der in abgeklärte Melancholie mündet. Dann die musikalische Darstellung des Hörsturzes. Ein hohes Sirren der ersten Geige, Verzweiflung, Genesung - gespielt mit wunderbarem Einfühlungsvermögen. Stets verständigt sich das Quartett mit Blicken über alle Pulte hinweg, mit Lächeln und Zunicken. Jeder spielt mit dem anderen und doch für sich. "Es ist wichtig, dass in einem Quartett jeder zu jedem passen, sonst geht es nicht", sagt Killian. Auch mit der Zugabe, einem zauberhaft gespielten Notturno von Alexander Borodin, beweist das nathan quartett eine wunderbare Ehe zu viert.

© Hamburger Abendblatt / Heike Linde-Lembke; 14.04.08

„Hören und Sehen verbinden“

«KlangWelten › WortRäume»: unter diesem Thema versucht das Hamburger nathan quartett über die Musik hinausdenkend, Malerei und Literatur mit dieser zu verbinden. Seine Konzerte sind Themen wie «Russisches», «Freude und Leid» oder «Passion» gewidmet, um in dieser Blickweitung wieder Bezüge herzustellen, die in der gängigen Konzertpraxis verloren gegangen sind und das Hören eindimensional gemacht haben.

Zum Basler Konzert im Schmiedenhof mit Joseph Haydns Streichquartett «Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze» gehörte folglich eine kleine Bilderausstellung mit sieben Blättern auf Japanpapier, in denen Dorothea Templeton diese «letzten Worte» paraphrasiert. Sie hat die Papiere so gefaltet, dass sie einen Innenraum frei lassen, den sie nun mit Acrylfarben «ausmalt». Die Faltung lässt eine Art Fenster entstehen, durch die der Betrachter in einen imaginären Raum blickt, wo er das chiffrenhaft sichtbar gemachte Passionsgeschehen sieht. Durch dieses Guck-kastenprinzip wird der Betrachter als Zuschauer in das Geschehen gezogen, das heisst, Templetons Blättern glückt das, was auch die Musik Haydns bewirken will: den Zuhörer zum Beteiligten zu machen.
Die Geigerin Dana Anka hat parallel zu Templetons Blättern zwölf längsformatige Ölbilder gemalt als freie Inventionen zu György Kurtágs «12 Microludien», die die Hamburger mit faszinierender Präzision spielten. Ob diese farbstarken Bilder die Spiritualität der Musik erreichen, darf bezweifelt werden.

Als Haydn 1785 vom Domherrn der spanischen Stadt Cádiz den Auftrag bekam, «sieben Adagios wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden», da wusste er, dass diese Kompositionsarbeit «keine von den leichtesten» werden würde. Die ursprüngliche Orchesterfassung arbeitete er zwei Jahre später für Streichquartett um, und in dieser Fassung gehört das Werk bis heute zu den Prüfsteinen eines jeden Streicherensembles. Die Hamburger (sie sind ja eine Rumänin; zwei Schweizerinnen und ein Russe): Dana Anka und Maja Hunziker, Violinen, Roswitha Killian, Viola, und Boris Matchin, Violoncello, spielen die sieben Sätze inklusive der «Introduction» und des abschliessenden «Terremoto» entschlossen und frei von jeder Sentimentalität.

Ihr präzises Spiel beeindruckt durch gedankliche und emotionale Klarheit, und die stellen sie her durch markante Forte, in denen die Tonbildung zum Beispiel der Primaria bis an die Grenze des «schönen» Klanges geht, und durch exakt kalkulierte verinnerlichte Piani. Ihr makelloses Ensemblespiel verkündet eine Botschaft: Die Passion ist ein Ereignis aus brutalen Geschehnissen, die keine Musik mildern kann; es war, als grüsste Matthias Grünewald aus Colmar herüber. Wir hörten eine kompromisslose, beeindruckende Interpretation dieser Passionsmusik.

© Basellandschaftliche Zeitung / MLZ; 11.03.08

„Was Musik zu erzählen vermag“

Das nathan quartett hat im Schmiedenhof in Basel ein kleines und eindrückliches Kammermusik-Festival veranstaltet.
Um die Welten des Klangs für die Zuhörer zu erschließen, schafft das Kammermusik-Festival des nathan quartetts
„KlangWelten-WortRäume“. Vor jedem der drei Konzerte gab es eine Einführung, die die musikgeschichtlichen und musikalischen Hintergründe der aufgeführten Kompositionen erklärte. Marcus Schneider, selbst Musiker, ermöglichte mit den klar dargestellten Fakten ein erweitertes Zu-hören. Deutlich zeigte er die Dramaturgie der Kombination von Mozarts g-Moll-Quintett und Schuberts C-Dur-Quintett. Wolfgang Amadeus Mozart schrieb sein Quintett in eine Periode, in der er seinen sozialen Status zu verlieren begann, sein Vater sowie sein Arzt starben. Er spürte den epochalen Übergang zur Romantik, konnte diese Zeichen aber noch nicht deuten. So findet das g-Moll-Quintett keine Auflösung und weist eine dramatische Tiefe und geladene Emotionalität auf. Franz Schubert dagegen kennt bereits die andere Seite, die Romantik. Er nutzt eine grundfröhliche Tonart, C-Dur als Grundlage und führt diese sofort in Moll-Themen hinein. Er schrieb sein Quintett ein Jahr nach Beethovens und ein Jahr vor seinem eigenen Tod.

Das Programm des dritten und letzten Abends zeigte deutlich, wie unterschiedliche Kompositionen eine andere Lebenslage und andere Stimmung bei ein und denselben Kompositionen hervorrufen kann. Gesellschaftlich voll integriert, anerkanntes Mitglied in der Freimaurer Loge, schrieb Mozart das Klarinettenquintett in A-Dur, KV 581, für seinen Freund, den Klarinettisten Anton Stadler. Musikwissenschaftlich ist es eines der kammermusikalischen Werke Mozarts, das hoch klassisch jede einzelne Stimme individuell darstellt. Historisch gesehen ist es eines der Werke, die nicht wie im Barock nebenbei zur Unterhaltung während eines opulenten Mahles gespielt wurden. Hier galt der Musik die gesamte Konzentration.

IN GELOSTER STIMMUNG und mit einigem Augenzwinkern schrieb Franz Schubert sein Forellen-Quintett. Eingeladen zum Sommerurlaub von Silvester Baumgartner, einem „dilettierenden Musiker“, fühlte sich Schubert leicht und fröhlich wie selten. Fast übermutig schieb er nicht nur einen von seinem Gastgeber gewünschten Satz für die Besetzung eines „Grand Quintett! Mit Kontrabass, sondern gleich fünf Sätze.
Das nathan quartett, Dana Anka und Maja Hunziker, Violine, Roswitha Killian, Viola und Boris Matchin, Violoncello, zeigte an seinem Festival erstaunliches Potenzial in mehreren Bereichen. Zum einen eine starke Kondition, da es tagsüber Kurse gab. Drei Abende nacheinander so anspruchvoller Literatur auf hohem Niveau zu spielen, erforderte ebenso viel Kraft. Dazu kam eine immense Flexibilität, da das Quartett quasi an keinen Abend in ursprünglicher Besetzung auftrat.
Ein ganz besonderer Gast war der 11 jähriger Nathan Matchin, nachdem auch das Ensemble benannt ist, Sohn der Primaria Dana Anka und des Cellisten Boris Matchin. Bei Mozarts g-Moll-Quintett übernahm er den Part der zweiten Violine und Maja Hunziker wechselte in die zweite Viola. Mit erstaunlicher Reife, Professionalität und ganz natürlich fügte sich der junge Violinist ins Ensemble ein. Sein Spiel legte einen geheimnisvollen Zauber über die Dramatik des Stücks. Wohl nur selten bekommt man eine so besondere Interpretation von Mozarts g-Moll-Quintett zu hören.

FRANZ SCHUBERT Streichquintett in C-Dur wurde ergänzt durch den Cellisten Alexander Bagrintsev, bei Mozarts Klarinettenquintett spielte Florin Olmazu den Bläserpart und beim Forellenquintett wirkten mit Tinatin Gambaschidze, Piano, Petar Naydenov, Kontrabass, und Amadeus Templeton, Cello. Sie waren passende Partner, die bei aller Internationalität in der Musik ihre gemeinsame Sprache fanden. Die von Primanerin Dana Anka in erfrischender Art geführten Ensembles vermittelten präzis die Feinheiten ihrer musikalischen Interpretation. Das intensive Zusammen-Spielen der Musikerinnen und Musiker schaffte eine große Bandbreite klanglicher Emotionen – dies auf technisch hohem Niveau. Es waren beeindruckende, energiegeladene Konzerte, die das Publikum begeisterten.

© Basellandschaftliche Zeitung / Regina Bernstein; 15.01.08

Hindemith-Preisträger: „Die Arbeit ernst nehmen - nicht sich selbst“

Ein Elfenbeintürmler ist Dai Fujikura nicht. Eher das Gegenteil. Wer den japanischen Komponisten (geboren 1977) trifft, erlebt eine bodenständige und zugleich originelle Künstlerpersönlichkeit. Fujikura gehört zu jenen, die zwar ihre Arbeit, nicht aber sich selbst allzu ernst nehmen. Und vielleicht ist es genau das, was seine Werke so klar und im positiven Sinne gut hörbar macht. Seine Musik geht nicht am Hörer vorbei, sie geht jeden etwas an.
Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals wurde der Komponist am Donnerstag im Reinbeker Schloss mit dem diesjährigen Paul-Hindemith-Preis geehrt, der mit 20 000 Euro dotiert ist. Das ensemble Intégrales und das nathan quartett interpretierten mit exquisiter Spielkultur neben Hindemiths Streichquartett Nr. 7 auch zwei Stücke von Fujikura: "time unlocked", das perkussive und melodische Elemente kontrastiert und zusammenführt, sowie "Another Place", ein rhythmisch groovendes Streichquartett.

© Hamburger Abendblatt / bbr; 18.08.07



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